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Newsletter #16

ČESKÁ VERZE NEWSLETTERU VIZ NÍŽE

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Leserinnen und Leser!

Wahrscheinlich sind auch Sie diesem Jubiläum nicht entkommen: 20 Jahre Mauerfall, da platzte der gedenkpolitische Kalender aus den Nähten, und die Medien aktivierten die Erinnerungen ans historische Geschehen in einer unaufhörlichen Bild- und Kommentarschleife. Und doch schien etwas zu fehlen. Zwar hatte Lech Walesa am 9. November eine Kette übergroßer Domino-Steine angestoßen, um zu veranschaulichen, dass die ersten Impulse für den Fall des Eisernen Vorhangs nicht aus Deutschland stammten. Solche Signale und auch die Reden ausländischer Politiker konnten aber nicht kaschieren, dass es sich um ein stark auf Deutschland konzentriertes Gedenken handelte. Und dass die immer wiederkehrende Formel von der Mauer in den Köpfen auch einen unübersehbaren ideologischen Akzent hatte: Kaum problematisiert wird nämlich, dass die Vereinigung der beiden politischen Systeme nach Maßgabe des Westens erfolgte. Wenn die DDR in der Bundesrepublik aufging, gilt das den meisten heute als Happy End eines zum Scheitern verurteilten Staatssozialismus. Und auch im Osten ist diese Ansicht weit verbreitet: So behauptete Václav Havel einmal, der Osten sei 1989 ganz einfach nach Europa zurückgekehrt.

Solche Fragen müssen in einem internationalen Kontext diskutiert werden – etwa auch im Hinblick auf die Begegnungen zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken. Außerdem sollten die gesellschaftspolitischen Visionen ernster genommen werden, die auf der Ostseite des Eisernen Vorhangs zum Systemwechsel geführt haben; etwa im Rahmen der bedeutsamen Samtenen Revolution in der damaligen Tschechoslowakei. Die Geschichte von 1989 ist nämlich eine gemeinsame Geschichte von Ost und West. Sie geht zurück bis zur Revolte der 68er und reicht bis in die Gegenwart.

Diese Diskussionen stehen im Mittelpunkt unseres Schwerpunkts „68/89 – Kunst. Zeit. Geschichte“, und wir freuen uns, Ihnen am 8. Dezember 2009 den deutsch-tschechisch-slowakischen Themen- und Theaterabend „Transit 89. Horizonte und Grenzen“ im Theaterdiscounter in Berlin ankündigen zu dürfen.

Der Abend beginnt um 18.00 Uhr mit der Präsentation des von Jürgen Danyel, Jennifer Schevardo und Stephan Kruhl herausgegebenen Bandes „Transit 68/89. Deutsch-tschechische Kulturgeschichten“. Die im Metropol-Verlag erscheinende Publikation vereint die vier im Zipp-Projekt „68/89 – Kunst.Zeit.Geschichte“ entstandenen und für ihre Gestaltung mehrfach preisgekrönten Journale. Sie bilden eine einzigartige Zeitreise durch die deutsch-tschechisch-slowakische Kulturgeschichte in den Jahren der Revolte und des Aufbruchs, von den Protestbewegungen der 68er über den Umbruch von 1989 bis in die Gegenwart. Grenzüberschreitende Begegnungen kommen hier ebenso zur Sprache, wie die Mythen und Missverständnisse, die das Verhältnis dieser mitteleuropäischen Nachbarn heute ganz konkret prägen. Moderiert von dem Autor Jaroslav Rudiš diskutieren der Filmemacher Štěpán Benda, die Leiterin von „Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte“ Katrin Klingan, der Zeithistoriker Jürgen Danyel, der Kulturredakteur Jiří Peňás und der Dramaturg Fedor Blaščák.

Am selben Abend präsentieren vier Theaterproduktionen unter dem Titel „Svoboda! Svoboda? Freiheit! Freiheit?“ ihren Blick auf den Umbruch von 1989 und die Folgen für Tschechien, Deutschland und die Slowakei. In dem ersten Beitrag (19.00 Uhr) der Kulturstation aus Žilina, „Stanica Žilina-Záriečie“, eskaliert eine Studentenparty, während draußen die Revolution beginnt. Im Anschluss (20.00 Uhr) schmuggeln „Gods Entertainment“ in ihrer Produktion „Kunstschmuggel“ die hochsubventionierte Produktion eines Berliner Theaters auf die leere Bühne im Theaterdiscounter und greifen damit eine kulturelle Praxis aus der Zeit des Eisernen Vorhangs im veränderten Kontext erneut auf. Das „Archa Theater“ Prag präsentiert dann (21.30 Uhr) den Systemwechsel als Raum der offenen und ungenutzten Möglichkeiten: „Chance 1989 oder Window of Opportunity“, so der Titel dieser Arbeit. In einer fiktiven Radio-Show wird die Geschichte eines deutsch-tschechischen Ehepaares nachgezeichnet, das nach 1989 von der eigenen Vergangenheit eingeholt wird. Schließlich zeigt ein Gastspiel des Brünner Theaters „Gans an der Schnur“ (22.30 Uhr) die Produktion „THE GOTT VARIETY SHOW or Do We Live in Gottland?“. Diese groteske Theater-Momentaufnahme widmet sich dem Phänomen Karel Gott - in Tschechien und Deutschland eine Ikone der Popkultur und gleichwohl wegen seiner Nähe zum kommunistischen Regime bis heute umstritten. An einer abschließenden Diskussion unter dem Titel „Theatergeschichten zum Geschichtstheater“ sind der Kulturphilosoph und Dramaturg F. Blaščák, der Künstler B. Ondreička, die Regisseurin J. Svobodová, der Kulturredakteur O. Štindl, der Performance-Künstler S. Steinhauer, die Künstlerin M. Degirmendzic, der Theaterkritiker Thomas Irmer, der Aktivist und Schauspieler V. Trojan, der Regisseur V. Morávek und Jana Vargovčíková von der Prager Initiative „Inventura demokracie“ beteiligt.

Das gesamte Programm dieses Abends finden Sie unter www.68-89.net oder www.theaterdiscounter.de.

Eine zweite Veranstaltung, auf die wir Sie hier noch hinweisen möchten, ist die Lesung von Martin Becker und Jaroslav Rudiš im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Amnesie“ des Kunstvereins Leipzig. Becker und Rudiš geben am 16.12. einen Einblick in ihre deutsch-tschechische Autorenkooperation. Es handelt sich dabei um eine literarische Leseperformance, die sie unter dem Titel „Exit 89. Leipzig – Praha“ hier zum ersten Mal präsentieren. Zu erwarten ist ein lustiger und trauriger Abend über Kneipengespräche und Bier, tschechische Straßenbahnen und Leipziger Cafés. Die grenzüberschreitenden Geschichten über das Leben und die Liebe werden mit böhmischem Humor und mitteldeutscher Melancholie erzählt – oder auch umgekehrt.

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung auf www.kunstvereinleipzig.de oder www.horns-erben.de

Zum Erleben verregneter Adventstage wünschen wir auch Ihnen eine gute Mischung aus böhmischem Humor und mitteldeutscher Melancholie – und, da Sie erst im Januar wieder von uns hören werden, ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr.

Ihr Zipp-Team

 
 

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