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Newsletter #15

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Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Leserinnen und Leser!

Am 18. November eröffnet im Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne die Ausstellung „Zlín – Modellstadt der Moderne“. Am folgenden Tag ist im Tschechischen Zentrum München eine Gesprächsveranstaltung zum Thema zu hören. Und schließlich erscheinen zeitgleich zwei Publikationen: zum einen der Katalog zur Ausstellung, zum anderen ein Band, der auf die Themen und Ergebnisse eines internationalen Symposiums zurückgreift, das die lange Zeit kaum beachtete Modellstadt bereits im Mai dieses Jahres in einen vielschichtigen Diskussionszusammenhang stellte. Warum ist Zlín, diese im Osten Tschechiens gelegene Stadt, so interessant – warum lohnt sich eine derart eingehende Beschäftigung?

Die Geschichte Zlíns ist seit dem frühen 20. Jahrhundert eng mit der Schuhfabrik Bat’a verbunden. Von 1923 bis 1938 ließen der Unternehmer Tomás Bat’a und sein Stiefbruder Jan Antonín den kleinen Ort zu einem riesigen Labor für gemeinschaftliches Leben und Arbeiten ausbauen. Nach Plänen von František Lydie Gahura entstand über einem Gebäuderaster von 6,15 m x 6,15 m eine Stadt im Grünen mit weitläufigen Fabrikanlagen, Wohngebäuden sowie kulturellen und sozialen Einrichtungen. Die Bat’as vereinten dabei geschicktes Unternehmertum, fordistische Serienproduktion und soziales Experiment. In der von Vladimír Karfík, einem ehemaligen Mitarbeiter Le Corbusiers, errichteten Konzernzentrale „21“ ließ sich Bat’a ein Büro in Form eines zimmergroßen Aufzugs konstruieren, von dem aus er mit der ganzen Welt kommunizieren und gleichzeitig seine Arbeiter überwachen konnte. Die weltweit einzige, streng nach funktionalistischen Prinzipien errichtete Stadt wurde von vielen Politikern und modernen Architekten studiert und bewundert.

In der Ausstellung „Zlín – Modellstadt der Moderne“ werden die architektonische Entwicklung und der sozialgeschichtliche Hintergrund Zlíns mit Modellen, Plänen, Fotografien und Filmen vorgestellt. Ergänzend werden die selbst in Fachkreisen kaum bekannten Planungen Le Corbusiers für Bat’a – Stadterweiterung von Zlín,
Typenentwürfe für die französischen Baťa -Schuhläden, die französische Baťa -Satellitenstadt Hellocourt und der Baťa -Pavillon für die Weltausstellung in Paris 1937 – mit Originalzeichnungen und einem Modell präsentiert. Weitere Informationen finden Sie auf der Netzseite www.architekturmuseum.de.

Pünktlich zur Ausstellungseröffnung erscheint der umfangreiche Sammelband „A Utopia of Modernity : Zlín“. Das Buch geht auf ein internationales Symposium zurück, das im Mai dieses Jahres in Zlín und Prag stattgefunden hat. Internationale Architekten, Soziologen und Stadtforscher verbinden darin historische Analysen mit einem Blick auf die gegenwärtige Zlíner Realität und Zukunftsprognosen für diese Stadt. Sie gehen dabei unter anderem der Frage nach, inwieweit Zlín sich als Lernmodell für die Zukunft von Stadtplanung und Architektur erweisen kann – denn Zlín ist ein irritierender Fall, der weder mit den Kritikmustern der Postmoderne noch mit den Gewissheiten der Moderne-Verteidiger in Einklang gebracht werden kann. Fotografien und Filmstills sowie ein Stadtplan veranschaulichen die avancierte Ästhetik des Ortes und ermöglichen eine kritische Auseinandersetzung mit dem problematischen Zusammenhang von wirtschaftlichem und sozialem Heilsversprechen auf der einen und der durch und durch reglementierten Kontroll-Architektur auf der anderen Seite.

Die Autoren dieses Bandes sind u.a. Daniel M. Abramson, Ivan Bergmann, Regina Bittner, Zdeněk Chládek, Lucie Galčanová, Adam Gebrian, Petr Hlaváček, Ladislava Horňáková, Svatopluk Jabůrek, Joan James, Igor Kovačević, Rostislav Koryčánek, Dagmar Nová, Jiří Novotný, Ladislav Pastrnek, Zdeněk Pokluda, Nina Pope, Jitka Ressová, Jaroslav Rudiš, Andrea Scholtz, Vladimír Ślapeta, Annett Steinführer, Miroslava Štýbrová, Rostislav Švácha, Petr Szczepanik, Mariusz Szczygiel, Barbora Vacková, Petr Všetečka und Karin Wilhelm.

Gerne möchten wir Sie einladen, auf unserer Website unter www.projekt-zipp.de/de/zlin ausgewählte Texte aus der Publikation nachzulesen und die video-dokumentierten Vorträge des Symposiums zu sehen und zu hören!

Die zweite in diesem Kontext erscheinende Publikation ist der von Winfried Nerdinger ebenfalls im Verlag JOVIS herausgegebene Katalog zur gleichnamigen Ausstellung „Zlín – Modellstadt der Moderne". Darin finden sich Essays renommierter Architekturhistoriker, die die vielschichtige Entwicklung Zlíns und des Baťa-Konzerns aus städtebaulicher, architektonischer und sozialgeschichtlicher Perspektive beleuchten. Pläne, Fotografien und historische Dokumente runden das Bild der Stadt ab, die Le Corbusier als „leuchtendes Phänomen“ bezeichnete. Ein eigener Beitrag widmet sich auch den Planungen Le Corbusiers für Baťa, die in der Ausstellung mit Originalplänen präsentiert werden.

Schließlich möchten wir Sie zu einer Diskussionsrunde einladen, die am 19. November 2009 im Tschechischen Zentrum München zu hören sein wird. Ausgehend von der Frage „Zlín: Utopie der Moderne?“ soll hier über Stadtplanung, die Zukunft des modernen architektonischen Erbes und die Wechselbeziehungen zwischen Architektur und Gesellschaft diskutiert werden. Als Teilnehmer sind eingeladen: Regina Bittner (Bauhaus Dessau), Ladislava Horňáková (Bezirskgalerie für bildende Kunst, Zlín), Katrin Klingan (Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte), Winfried Nerdinger (Architekturmuseum der TU München) und Vladimír Šlapeta (Fakultät für Architektur, VUT Brno). Anschließend wird die Ausstellung des Zlíner Photographen Libor Stavjaník "Eine Garage zum Verkaufen" eröffnet. Genaueres entnehmen Sie bitte der Netzseite des Tschechischen Zentrums München www.czechcentres.cz/munich

In der Hoffnung, Sie auf die Ausstellung und Publikationen rund um diese „Modellstadt der Moderne“ neugierig gemacht zu haben – verbleiben wir wie immer mit den herzlichsten Grüßen,

Ihr Zipp-Team

 
 

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