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Newsletter #12

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Leserinnen und Leser!

Im Herbst unserer deutsch-tschechischen Kulturprojekte, die unter dem Dach von Zipp noch bis zum Ende dieses Jahres verwirklicht werden, erwarten wir nun mit großer Spannung die Uraufführung des neuesten Theaterstückes von Rimini Protokoll. Die Proben für die Produktion „Vùng biên giới“ laufen im Staatsschauspiel Dresden derzeit auf Hochtouren. Der Prozess, aus dem diese Arbeit nun entstanden ist, geht auf das Frühjahr 2008 zurück, als die Theatermacher von Rimini Protokoll aufgebrochen waren, um sich mit der Nachbarschaft zweier Länder zu befassen. Sie wurden an der deutsch-tschechischen Grenze tatsächlich fündig: Hinter Armeen von Gartenzwergen, mauerhohen CD-Stapeln mit Raubkopien und säckeweise gefaketer Markenkleidung trafen sie auf vietnamesische Händler, die hier auf ihr Glück hoffen. Diese waren einst aus dem asiatischen Bruderland in die ČSSR und die Deutsche Demokratische Republik gekommen – als Vertragsarbeiter und Auszubildende.

Heute bilden sie sowohl in Dresden als auch in Prag die stärkste Migranten-Gruppe. Während auf den Vietnamesen-Märkten aber noch gebrochenes Deutsch und Tschechisch gesprochen wird, haben die Kinder dieser Arbeitergeneration längst ambitionierte Lebensziele: Sie studieren, reisen, beherrschen Sprachen und füttern die Suchmaschinen des Internets mit ihren eigenen Statusfragen nach Heimat und Zugehörigkeit.

Wie sich die Lebenswelten über Generationen hinweg verändert haben, das werden – wie immer in der Arbeit von Rimini Protokoll – Experten, also Vietnamesen in sehr verschiedenem Alter und unterschiedlichen Lebensumständen, bezeugen. Mit ihnen auf der Bühne steht ein ehemaliger Offizier der Nationalen Volksarmee, der in den achtziger Jahren Hauptbetreuer aller Vietnamesen in Dresden gewesen ist und für die Einführung der Vertragsarbeiter in ihrem neuen Arbeits- und Lebensumfeld verantwortlich war.

Die sieben vietnamesischen Experten sind sehr unterschiedlichen Alters, sie wurden zwischen den fünfziger und späten Achtziger Jahren geboren. Allen gemeinsam sind aber die frühen Erinnerungen an Vietnam – diese reichen bei einigen noch bis zum Krieg zurück, bei anderen nur bis in die Neunziger Jahre. Stark altersabhängig sind auch die Erfahrungen, die sich später in Deutschland und Tschechien anschlossen. Ob die Migration mit der Vertragsarbeit in staatlichen Betrieben begann oder erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, in welchen Berufssparten sich die Biografien weiterentwickelten – ob sie durch die Diaspora der vietnamesischen Community geprägt waren oder durch die Integration in die deutsche oder tschechische Gesellschaft – diese Umstände ergeben das weite Spektrum, das sich an diesem Theaterabend auf der Bühne entfalten wird.

„Vùng biên giới“ ist eine Produktion von Zipp, dem Staatsschauspiel Dresden, dem Prager Theaterfestivals deutscher Sprache und dem Nationaltheater Prag. Die Uraufführung findet am 9. Oktober im kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden und am 2. November im Rahmen des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache statt (weitere Aufführungen am 13. Oktober in Dresden und am 3. November in Prag).

Mehr Info unter www.staatsschauspiel-dresden.de und www.theater.cz

Mit dieser vielversprechenden Herbst-Prognose grüßt herzlich,

Ihr Zipp-Team

 
 

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