Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte /

 

Lebenswelten /


Utopie der Moderne: Zlín /


Kafka /


1968|1989 /

 
Eine Initiative der
Kulturstiftung des Bundes
 

Zipp Newsletter

Wenn Sie Interesse an aktuellen Informationen zu Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte haben, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
Wenn Ihre Anmeldung erfolgreich war, erhalten Sie per Email eine Anmeldebestätigung.

Ihre eMail-Adresse:
anmelden / abmelden


Newsletter #06

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Leserinnen und Leser!

Berlin und Žilina-Záriečie – deutsche Kulturmetropole und Kleinstadt im Nordwesten der Slowakei. Größer könnte der Kontrast zwischen Zentrum und Peripherie kaum sein. Die Umstände, die hier wie dort entscheidende gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt haben, hängen aber dennoch an denselben historischen Zäsuren: Wer die Entwicklungen von 1968 und 1989 nicht versteht, versteht die Gegenwart nicht. Die nächsten Veranstaltungen im Rahmen des Zipp-Projektes „68/89 – Kunst.Zeit.Geschichte.“, auf die wir Sie durch diesen Newsletter aufmerksam machen wollen, finden in den Berliner Sophiensaelen statt und in der Eisenbahnhaltestelle von Žilina-Záriečie, in der ein Kulturzentrum untergebracht ist. Dass dieser Ort kein melancholischer Wartesaal der Geschichte ist, wird das Festival „19X8“ zeigen, wo die popkulturellen Errungenschaften von 1968 und ihre gesellschaftlichen Folgen zur Debatte stehen. Auch in Berlin geht es um Popkultur – und um eine ihrer berühmtesten Ikonen.

„Nico – Sphinx aus Eis“
Regie: Oliver Sturm
21.-23.11. und 25.-29.11.2008, jeweils 20:00 Uhr, Sophiensaele, Berlin

Die dritte Inszenierung, die im Rahmen des Zipp-Projektes „68/89 – Kunst.Zeit.Geschichte.“ entstand und uraufgeführt wurde, setzt sich mit einer der widersprüchlichsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts auseinander: Nico, die am 16. Oktober 1938 unter dem bürgerlichen Namen Christa Päffgen geboren wurde und nicht nur als Fotomodell und Andy Warhols Muse, sondern auch als Sängerin von Velvet Underground und Gothic Queen berühmt geworden ist. Ihr Leben in fließenden Maskierungen und flüchtigen Identitäten, ihr Schwanken zwischen Glamour und Todessehnsucht, zwischen Mythisierung und Selbstverlust ist Thema eines Theaterstücks des Autors und Schauspielers Werner Fritsch (erschienen 2004 bei Suhrkamp), das der Regisseur Oliver Sturm nun auf die Bühne der Berliner Sophiensaele bringt. Angelehnt an die Ästhetik der legendären „Factory“ werden in „Nico – Sphinx aus Eis“ Elemente aus Schauspiel, Konzert und bildender Kunst aufeinander treffen. So entsteht eine Geschichtsschreibung der Popkultur, die sich zwischen Erfindung und Tatsache, Halluzination und Bild nicht festlegen lässt. Zum hochkarätig besetzten Ensemble dieses Stückes gehören die Schauspielerin Birgit Doll, der Zeitzeuge Harry Hass und die Musikerin Soap&Skin (Anja Plaschg), die – obwohl erst 18 Jahre alt – von der Popkritik bereits als würdige Nachfolgerin Nicos gefeiert wird. Der Regisseur, Oliver Sturm, ist promovierter Literaturwissenschaftler und war in den neunziger Jahren Ballettdramaturg an der Deutschen Oper am Rhein und der Deutschen Oper Berlin. Als freier Regisseur hat er Hörspielproduktionen für die ARD (darunter „Jeff Koons“ und „Durchgangsverkehr“) erarbeitet und in Krakau, Berlin, Tel Aviv und Heidelberg Stücke von Samuel Beckett inszeniert. Mit seinem Hörspiel „Immer dein, tuissimus“ trat die ARD 2007 beim Prix Italia an.
www.sophiensaele.com

„19X8“
Festival
17.-21.11.2008, Stanica Žilina-Záriečie

Ebenfalls im Rahmen von „68/89 - Kunst.Zeit.Geschichte.“ findet ab heute im slowakischen Žilina das Festival „19X8“ statt, das mit Filmvorführungen, Diskussionen, Ausstellungen und Theater das Jahr 1968 und seine Folgen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Leben reflektiert und die Frage nach dem Umgang mit Erinnerung aufwirft. Das
Festival eröffnet mit der Uraufführung des Dokumentar-Theaterstücks
"Mitschüler" unter der Regie von Viera Dubačová, das das Wiedersehen von acht Schulklassen der Jahrgänge 1967, 1976, 1988 und 1998 in Stanica Žilina-Záriečie im Jahr 2008 zum Thema hat. Neben einer Installation von Fedor Blaščák mit dem Titel „Memory Kontrol“ ist die Ausstellung „Unofficial“ zu sehen: Gezeigt werden Fotografien von Lucia Nimcova und Juraj Kammer (Lucia Nimcova wurde für das gleichnamige Fotoprojekt mit dem Oskar Barnack Preis 2008 ausgezeichnet).
Weitere Programmpunkte:
In einer Diskussion u.a. mit dem Historiker Milan Zemko von der Slowakischen Akademie der Wissenschaften und dem Politologen Miroslav Kusý wird die Idee des Nationalismus seit den sechziger Jahren diskutiert. Im Filmprogramm wird neben „Der irrationale Rest“ (2005) des deutschen Dokumentarfilmregisseurs Thorsten Trimpop auch Karel Vacheks Film „Wahlverwandtschaften“ („Spřízněni volbou“, ČSSR 1968) zu sehen sein, der im Stil des Cinema verité einen lebendigen Eindruck der Ereignisse um die Präsidentschaftswahlen im Jahre 1968 gibt. Das Theater Archa aus Prag ist außerdem mit einer speziell für das Festival erarbeiteten Version ihrer Operette „Exit 89“ zu Gast, in der die Autoren des Librettos – Martin Becker und Jaroslav Rudiš – selbst auf der Bühne stehen werden. („Exit 89“ wurde am 22. Oktober im Theater Archa im Rahmen des Zipp-Projektes „68/89 – Kunst.Zeit.Geschichte.“ uraufgeführt.)
www.stanica.sk

Dass die Kafka-Konferenz von 1963 noch heute für Diskussionsstoff sorgt, hat die von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte initiierte Tagung „Kafka und die Macht“ auf Schloss Liblice Ende Oktober gezeigt, bei es der unter den Protagonisten von damals zu teilweise hoch emotionalen Auseinandersetzungen kam. Was Liblice noch einmal sehr deutlich zu Bewußtsein brachte, war der explosive Effekt, den die Schriften Kafkas damals auf eine ganze Gesellschaftsordnung hatten, der vielleicht gerade in ihrer literarischen Vieldeutigkeit begründet ist und darin, dass sie nicht in die Form eines eindeutigen politischen Statements zu übersetzen sind. (Jene, die mehr dazu lesen wollen, finden interessante Texte zum Thema auf der Zipp-Website.)

Der nächste Newsletter kommt erst wieder im Winter. Bis dahin wünschen wir Ihnen noch ein wenig Herbstsonne!

Ihr Zipp-Team

 
 

Impressum / Drucken