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Newsletter #03

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Leserinnen und Leser!

Wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass das deutsch-tschechische Dokumentarfilmprojekt „Breathless“ nun in seine entscheidende Phase geht. „Breathless“ wird durch Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes ermöglicht, die noch bis 2009 Vorhaben von deutschen und tschechischen Kunst- und Kulturschaffenden umsetzt.

Im Verbund mit dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK Leipzig) und dem Prager Institute of Documentary Film (IDF) hatten wir Filmemacher dazu aufgerufen, Dokumentarfilmideen mit einem möglichst aktuellen Themenfokus einzureichen. Die Arbeiten sollten sich mit Zeit und Zeitmangel und den spezifischen Kommunikationsweisen unserer durch eine erdrückende Informationsflut geprägten und globalisierten Gegenwart befassen. Bringt die Beschleunigung unserer Lebensumstände Freiheit und Selbstverwirklichung mit sich, oder werden wir nicht einfach immer rastloser?

Das Interesse an der Ausschreibung war enorm: Bis zum Ablauf der Frist am 7. April gingen beim DOK Leipzig und IDF nicht weniger als 130 Vorschläge ein. Eine international besetzte fünfköpfige Auswahlkommission wählte sechs Projekte aus, die sich alle auf besonders originelle Weise mit dem Phänomen Zeit auseinandersetzen. Ob es dabei um die Wiederaneignung von Natur in postindustriellen Brachen geht oder den Kampf für ein Musikstück, dessen Aufführungslänge den Tod aller heute lebenden Zuhörer überdauern wird; ob sich im Moment des Autounfalls die subjektive Zeitwahrnehmung zerdehnt oder eine Tagebuchchronik die Identitätsstiftung einer Familie gewährleistet; ob eine regionale Bestattungspraxis den kapitalisierten Umgang mit dem Tod ins Auge fasst oder Konzentrationsmangel und fragmentierte Realitäten zum formalen Prinzip des Filmes selbst erhoben werden – immer steht die Zeit, ihre Be- und Entschleunigung im Zentrum der filmischen Arbeiten.

Die Regisseure dieser Projekte wurden vom 10. – 13. Juli zu einem ersten Workshop nach Slaný in der Nähe von Prag eingeladen. International anerkannte Experten arbeiteten mit den Regisseuren dort an der Weiterentwicklung ihrer Projekt- und Drehbuchideen und halfen bei der Planung einer weitergehenden Recherche. Die ausgewählten Filmemacher unterstützten mit ihrem Fachwissen: Die Dokumentarfilmer Miroslav Janek (CZ) und Susanna Helke (Finnland/USA), der Filmemacher und Cutter Niels Pagh Andersen (Dänemark), der Kameramann Peter Badel (D), die Produzentin Clare Paterson (GB) und die Filminstitutsdirektorin Andrea Prenghyová (CZ) und der DOK Leipzig Festivalleiter Claas Danielsen.


Folgende Filmprojekte sind in der Ausarbeitungsphase:

„Milltown, Montana“ – Ein Film von Rainer Komers (Deutschland)
Sorgfältig komponierte Bilder, eindrucksvolle Soundcollagen und kleine Dialoge: dieser Film ist ein essayistischer Streifzug durch eine grandiose, aber vom Menschen gemarterte Landschaft. In aufwendiger Bildsprache dokumentiert Rainer Komers eine Region, die einst das größte Bergbaugebiet der USA war, sich aber heute in einer Phase des postindustriellen Stillstands befindet.

„Discovering the Slowness“ – Ein Film von Anca Miruna Lazarescu (Deutschland)
In einer kleinen Kirche im ostdeutschen Halberstadt spielt eine Orgel das Stück "Organ 2" von John Cage. Da das vorgeschriebene Tempo so langsam wie möglich sein soll, dauert diese Aufführung ohne Unterbrechungen noch bis zum Jahr 2640. Anca Miruna Lazarescu dokumentiert vor Ort die Begleitumstände des Musikprojekts. Ihr Film ist voller tiefsinniger, aber auch humorvoller Momente und widmet sich auf seine ganz besondere Weise dem Thema Zeitwahrnehmung.

„Time's Up – An Experiment in Time-Management“ – Ein Film von Jan Peters und Marie-Catherine Theiler (Deutschland)
Ein Unfall reißt die beiden Filmemacher aus ihrer Alltagshektik und wird zum Auslöser für ein ganz persönliches Zeitexperiment. Marie-Catherine Theilers Schwangerschaft gab die Rahmenbedingungen dieser Arbeit vor: die Regisseure zogen sich in ein einsames Bergdorf zurück, um Zeit-Workshops und Entschleunigungs-Therapien zu entwicklen. Mit viel Witz und Ironie und vor allem anhand eigener Erfahrungen untersucht dieser Film, wie die heutige Gesellschaft mit dem Thema Zeit umgeht.

„Diary of Grandmother Nemcova Jr.“ – Ein Film von Jan Gogola (Tschechien)
Das Tagebuch der Großmutter Nemcova, einer Frau aus dem Prager Vorort Zbraslav, entwickelt sich von einer Chronik alltäglicher Familienerlebnisse, Beobachtungen des Wetters und politischer Ereignisse immer weiter – bis zu einer surrealen Annäherung an die Ewigkeit. Das Tagebuch ihrer Schwiegertochter dient als Vorlage für die Fortsetzung.

„A Trip to the Graves“ – Ein Film von Margareta Hruza (Tschechien)
Eine Reisegruppe aus Berlin macht sich mit dem Bus auf den Weg in die Tschechische Republik. Anstatt jedoch die Landschaft zu genießen, erforschen die Großstädter High-Tech-Krematorien und anonyme Discountbegräbnisse. Margarete Hruzas Film wirft einen tragikomischen Blick auf den Umgang unserer Gesellschaft mit dem Tod.

„The Phantom of Liberty II“ – Ein Film von Karel Žalud (Tschechien)
Dieser experimentelle Film erforscht die physikalische Dimension der Zeit ebenso wie ihren Einfluss auf unsere Wahrnehmung, unser Handeln, unsere Rituale und überhaupt unsere Sicht der Welt. Karel Žalud orientiert sich dabei am Konstruktionsprinzip von Louis Bunuels "Das Phantom der Freiheit".

Die Filmemacher erhalten neben einer Grundfinanzierung Unterstützung bei der Projektentwicklung durch erfahrene Mentoren und Produzenten. Die Filme werden im Herbst 2009 bei DOK Leipzig und dem Internationalen Dokumentarfilmfestival in Jihlava uraufgeführt.

Mehr Informationen über „Breathless“, die ausgewählten Filmprojekte und ihre Filmemacher, als auch alle Beteiligten finden Sie auf www.dok-leipzig.de, www.docuinter.net und www.projekt-zipp.de.

Im Anschluss an eine kurze Sommerpause informieren wir Sie Ende September ausführlich über die Projektreihe „68/89 – Kunst.Zeit.Geschichte“. Jetzt schon können wir verraten, dass in diesem Rahmen verschiedene Theaterpremieren und Themenabende in Hamburg, Berlin, Brno und Prag sowie weitere Publikationen aus der Reihe „68/89“ anstehen. Außerdem wirft eine hochkarätig besetzte Kafka-Konferenz in Liblice ihre Schatten voraus.

Wenn Sie sich zu diesen Ereignissen bereits vorab intensiver informieren möchten, empfehlen wir Ihnen die Seiten www.68-89.net, www.textkritik.de und
www.projekt-zipp.de.

Einen schönen Sommer!
Ihr Zipp-Team

 
 

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