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Eine Initiative der
Kulturstiftung des Bundes
 

16.11.–29.11.2009

Galerie tranzitdisplay, Prag
rádio d-cz in tranzitdisplay
Ausstellung

Im Rahmen des Projekts „rádio d-cz“ entstanden fünf Radiokunststücke. Die Galerie tranzitdisplay in Prag präsentierte diese Radiostücke zwei Wochen lang als begehbare Hörinstallation in den Räumen der Galerie und lud an fünf Abenden zum Austausch über Traditionen und aktuelle Tendenzen der internationalen Radiokunst ein. Details zur Ausstellung hier.


Begleitprogramm zur Ausstellung:

Mo, 16.11.2009, 18:00
Eröffnung
Begrüßung von Vít Havránek, Frank Kaspar, Gaby Hartel, informelle Besichtigung des Ausstellungsraumes

Di, 17.11.2009, 18:00
„Short and Snappy“ – Wurfsendung
Julia Tiecke und die Radio-Minis von Deutschlandradio Kultur

Wurfsendungen bestehen aus Beiträgen variablen Inhalts mit einer maximalen Länge von je 45 Sekunden. Ob Thriller, Klangcollage, Feature, Limerick, Gedicht oder Gedankensplitter – die Experimente mit Form und Inhalt kennen keine Grenzen.

Mi, 18.11.2009, 18:00
Diskussions- und Hörabend
mit Beispielen neuerer Produktionen aus Berlin und Prag mit Markus Gammel, Deutschlandradio Kultur und Michal Rataj, Tschechischer Rundfunk

Do, 19.11.2009, 18:00
„Komponisten als Hörspielmacher“. The Cologne Radio-Avantgarde
Wolfgang Schiffer, Hörspieldramaturg, Leitung Hörspiel und Feature des WDR, präsentierte eine Auswahl an internationalen Produktionen des „Studio Akustische Kunst“ in Köln mit Werken von Klangkünstlern und Komponisten wie John Cage, Mauricio Kagel, Gerhard Rühm u. a.

Die Sendung „Komponisten als Hörspielmacher“ des WDR begann 1969/70 mit „(Hörspiel) Ein Aufnahmezustand“ des großen argentinischen Komponisten Mauricio Kagel, der in Köln lebte und arbeitete. Auf internationaler Ebene kann der Beginn dieser neuen Auseinandersetzung mit der Radiokunst schon viel früher ausgemacht werden, zum Beispiel mit der Musique concrète und den Kompositionen für Tonband von Pierre Henry und Pierre Schaeffer oder mit John Cages Tonband-Collagen. Diese Arbeiten entstanden jedoch außerhalb des öffentlichen Rundfunks, bis eine neue Generation von Künstlern (Neue Musik, Konkrete Poesie) und Radiodramaturgen die akustischen und kompositorischen Möglichkeiten des Hörspiels neu definierten. Sie erachteten Sprache, Musik und Klang als gleichwertige Komponenten der akustischen Kunst und entdeckten, mittels technischer Entwicklungen im Bereich der Stereofonie, neue Methoden der Verwendung ihres Materials. Die Ästhetik und Praxis des Hörspiels veränderten sich; das Genre öffnete sich neuen Präsentationsformen im öffentlichen Raum wie Hörspielkonzerte, Liveperformances, Klanginstallationen und -skulpturen sowie in Theater und Film. Radiokunst wurde so zu einer intermedialen Kunst.


Fr, 20.11.2009, 18:00
„Play Politics“ – How to change the world by making radio
Vortrag und Diskussionsveranstaltung mit Paul Plamper, Autor und Regisseur von Radiostücken. Paul Plamper wurde 2009 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet.

„Als Radiomacher braucht man enorme Tentakel, um die Aufmerksamkeit der Menschen einzufangen“, so Autor und Regisseur Paul Plamper, „da der Hörer geneigt ist, mehrere Dinge nebenher zu tun, während er Radio hört.“ In seinen sehr unterhaltsamen, nachdenklich machenden Hörspielen findet Paul Plamper immer einen Weg, um seine Zuhörer zu fesseln – oftmals indem er mit Menschen arbeitet, die sich persönlich mit den Themen der Stücke in ihrem Leben beschäftigen. Mit „Hüttenkäse“ („Cottage Cheese“, WDR 2000) entwickelte Paul Plamper ein sogenanntes „tanzbares Hörspiel“, basierend auf einem Text des Autors Tim Staffel, in Zusammenarbeit mit einer Berliner Hip-Hop-Gruppe.
In einer seiner jüngsten Arbeiten, „Die Unmöglichen“ („The Impossibles“, WDR/SWR 2008), gibt die mit Downsyndrom lebende Schauspielerin Nele Winkler ihrer Figur eine solch authentische Stimme, dass es dem Hörer unmöglich wird, Fiktion von „Realität“ zu unterscheiden. 2009 erhielt Paul Plamper den „Hörspielpreis der Kriegsblinden“ für sein Stück „Ruhe 1“ (WDR/Museum Ludwig/Hörspielpark 2008), welches er ursprünglich als mehrfachkanalige Klanginstallation im Museum Ludwig in Köln einrichtete und in einem zweiten Schritt dramaturgisch für das Radio adaptierte. Paul Plamper nimmt sich Themen von politischer und sozialer Relevanz an; seine Arbeit ist eine fortwährende Suche nach neuen Möglichkeiten des akustischen Mediums.

Sa, 21.11.2009, 10:00 bis 13:00
Entlang der Moldau zum Vyšehrad: Klanglandschaft und Klangspaziergang
Workshop für Interessierte zu Tonaufnahmen im Terrain der Stadt und aktivem Hören mit Miloš Vojtěchovský

Das Thema des Workshops ist die Psychoakustik der Stadt und Sound-Walks. Zunächst werden die Teilnehmer über die Rolle von Klang und Lärm im Alltag der Stadt sprechen und darüber, wie unterschiedlich diese von Menschen wahrgenommen werden. Hauptteil des Workshops ist ein gemeinsamer Ausflug durch einen klingenden und klang-erfüllten Stadtteil Prags.


Sa, 21.11.2009, 18:00
„Live Hören“
Hörspiel „Furt dokola – In einem fort”
Hörspielvorführung und Diskussionsveranstaltung mit Kateřina Šedá und Rolf Simmen.

„Als ich unser Haus am 22. Juni um 14 Uhr mit der Entscheidung verließ, in den nächsten Stunden durch Líšen zu laufen, indem ich über Zäune klettern würde, wie die Krähe fliegt, hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Weder von meinen Nachbarn noch von mir selbst. Es war ein sehr heißer Tag, 30 Grad im Schatten. Ich hatte einen Rucksack auf dem Rücken mit zwei Minikameras: eine war nach vorne gerichtet und die andere filmte alles, was hinter mir passierte ... Ich war fasziniert davon, durch absolut unbekanntes Gebiet zu laufen, nur unweit der offiziellen Wege, die ich auswendig kenne. Wie oft hatte ich mir ausgemalt, was hinter diesen Mauern und Zäunen verborgen sein könnte, und plötzlich stand ich mittendrin, betrachtete das mysteriöse Innenleben meines Dorfes und wartete darauf, dass mir der nächste Nachbar ein Fass oder eine Leiter anlehnen würde.
Es wurden zwei Aufnahmen von diesem Projekt gemacht (Video und Audio), die sehr unterschiedlich geworden sind. Ein Element jedoch ist bei beiden Aufnahmen gleich: Bestimmte Momente werden ständig wiederholt, als ob man sich vorab darauf verständigt hätte. Ähnliche Szenen spielen sich in jedem Garten ab und alle Nachbarn, so wie ich selbst, wiederholen die gleichen Worte und Sätze (manche Formulierung wie „Das ist toll“ wird mehr als 20-mal wiederholt). Abgesehen von diesem absurden Fakt wirkt die Aufnahme sehr authentisch.“
Kateřina Šedá



Bilder zu dieser Veranstaltung:

 




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